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#58 Über Osteoporose und andere Folgen von Essstörungen - meine Gedanken + Q&A

In meinem letzten Blogartikel ging es um meine Geschichte mit dem Sport und die Sportpause, für die ich mich Mitte des letzten Jahres bewusst entschieden habe. Ich habe dir erzählt, dass ich aktiv etwas für meine Hormongesundheit tun wollte, was ich an dieser Stelle noch mal so explizit erwähne, weil meine Gesundheit sehr lange ganz weit unten auf meiner Prioritätenliste stand.

 

Meine Einstellung hat sich in dieser Hinsicht erst Anfang des letzten Jahres verändert, als ich mich zum einen mit Spiritualität, zum anderen gezielt mit unterschiedlichen Körperfunktionen auseinandergesetzt habe.

Auch wenn ich weiß, dass insbesondere Menschen, die verstärkt aus dem Kopf und Verstand heraus handeln, recht wenig mit Spiritualität anfangen können und diesen Blick auf die Welt oftmals als "Esoterik" abwinken, möchte ich diesen Ansatz gerne mit dir teilen:

 

Spirituell betrachtet, sind wir nämlich Seelen, die auf dieser Erde eine menschliche Erfahrung machen. Unsere Gefühle, unser Verstand und unser Körper sind menschliche Aspekte, die unsere Seele zur Verfügung gestellt bekommen hat, um sich in diesem Leben erfahren zu können. Während unsere Seele alle Leben umfasst, die wir bereits gelebt haben und auch die, die wir noch leben werden, ist unser Körper die Hülle, die wir nur für dieses eine Leben haben. Man könnte auch sagen, dass unser Körper geliehen ist. Erhalten bei der Geburt und wieder abzugeben, wenn wir sterben. Diese Betrachtungsweise hat mir geholfen, weil ich mich damals gefragt habe, wie ich einer Freundin ein geliehenes Kleidungsstück zurückgeben würde. Völlig zerstört und verwüstet? Oder sorgfältig und pfleglich behandelt?  

 

Nach über zehn Jahren mit Magersucht und Bulimie wollte ich herausfinden, wie ich meinen Körper gut behandeln und optimal in seinem Heilungsprozess unterstützen kann. Ich habe angefangen, mich über Bücher, Artikel und unterschiedliche Podcasts über unterschiedliche Körperfunktionen zu informieren. Erst da wurde mir bewusst, was für ein Wunder der menschliche Körper ist. Er ist ein unglaublich komplexes System, das Biologen, Philosophen und Ärzte bis heute nicht vollständig erforscht, geschweige denn verstanden haben. In unserem Körper gehen erstaunliche Dinge vor, von denen wir kaum etwas mitbekommen, die uns aber tagein, tagaus leben, lachen und lieben lassen. Unser Körper ist die Hülle, die uns das Leben erfahren lässt, wenn wir gesund sind. Er setzt aber auch alles daran, dass wir überleben und wieder auf die Beine kommen, wenn wir krank sind. Und vielleicht verstehst du jetzt, wieso es oft heißt, dass dein Körper immer für dich ist. Es ist wahr! Dein Körper ist immer für dich. 

Wieso ich über die Folgen von Essstörungen spreche:

Vielleicht kannst du mit meinen Worten bis hierhin nicht sonderlich viel anfangen, was ich auf gar keinen Fall verurteile. Ich kann es sogar sehr gut verstehen, weil es mir lange Zeit genauso ging.

 

In all den Jahren mit meiner Essstörung wurde mir nicht nur einmal gesagt, dass ich meinem Körper mit meinem Verhalten extremen Schaden zufüge. Ich wurde ständig von meinen Eltern, Ärzten und Therapeuten über die Folgen von Essstörungen aufgeklärt.

 

Zeitweise habe ich sie am eigenen Leib gespürt. Es war mir egal. 

Vielmehr waren der Schwindel und die Kälte, der verlangsamte Herzschlag und Haarausfall, die brüchigen Nägel, die trockene Haut und die Bauchschmerzen Indikatoren, dass es mir wirklich schlecht ging. Dass ich mir die Essstörung nicht einfach nur einbildete. Also habe ich abgewinkt und insbesondere bei Langzeitfolgen wie Osteoporose oder Unfruchtbarkeit geglaubt, dass mir das nicht passieren kann. Dass ich noch alle Zeit der Welt habe, um zu heilen.

 

Während meiner Sportpause stand ich in engem Kontakt zu meiner Frauenärztin, die mich in meiner Entscheidung und auf dem Weg zurück zur natürlichen Periode bestmöglich unterstützt hat und immer noch unterstützt. Da Essstörungen und Periodenverlust ein hohes Osteoporoserisiko mit sich bringen (warum, erkläre ich später), hat meine Frauenärztin mir ans Herz gelegt, eine Knochendichtemessung durchführen zu lassen. Inzwischen weiß ich, dass ich von Osteoporose, insbesondere im Hüft- und Wirbelsäulenbereich, betroffen bin.

 

Nachdem es mir all die Jahre mit Essstörung egal war, hat mich die Nachricht Anfang Januar sehr getroffen. Es war nicht mal unbedingt die Diagnose, die mich so traurig gemacht hat, sondern die Erkenntnis, dass ich über ein Jahrzehnt geglaubt habe, mit meinem Körper stimmt etwas nicht. Ich habe meinen Körper und das Essen benutzt, um Selbstzweifel zu kompensieren, Glaubenssätze in den Griff zu bekommen und mich anzupassen. Ich habe versucht, ein Problem auf einer Ebene zu lösen, auf der es nicht entstanden ist und erst Jahre später gemerkt, dass das nicht funktioniert.

 

Aus diesem Grund werde ich nicht müde zu betonen, dass hinter deiner Essstörung mehr steckt als der Wunsch dünn zu sein. Die Essstörung ist ein Lösungsversuch mit belastenden Situationen und Herausforderungen im Leben umzugehen.

 

Ich weiß, dass man das eigene Verhalten in dem Wissen um die Folgen der Essstörung nicht von heute auf morgen verändern kann. Was du von heute auf morgen tun kannst, ist aber, dir Hilfe zu holen, um die Ursachen und Hintergründe deiner Essstörung herauszufinden. Langfristig schaffst du es dadurch, alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln, sodass du aufhören kannst, deinen Körper und das Essen zu instrumentalisieren sowie letztendlich schwerwiegende Folgen der Essstörung zu vermeiden.

Q&A - Osteoporose und andere Folgen von Essstörungen

Nachdem ich auf Instagram von der Osteoporose erzählt habe, haben mich unglaublich viele Nachrichten erreicht. Das Interesse an einem Blogartikel und einer Podcastfolge zu den Folgen der Essstörung war größer als ich gedacht habe, was mir zeigt, dass darüber zu sprechen, deine Essstörung zwar nicht von heute auf morgen heilen, nichtsdestotrotz aber etwas bewirken kann.

 

Ich habe die häufigsten und wichtigsten Fragen herausgesucht, umfassend recherchiert und verschiedene Studien gelesen, um dir in diesem Blogartikel mein Wissen weitergeben zu können.

1.) Gibt es abgesehen von der Osteoporose weitere Folgen, die die Essstörung bei dir hinterlassen hat? Welche Folgen können generell auftreten?

Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen und dich daran erinnern, dass jede Essstörung, jeder Heilungsweg und - in diesem Zusammenhang besonders wichtig - jeder Körper anders ist. Dementsprechend sind auch die Folgen und Symptome, die uns infolge der Essstörung heimsuchen, können von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Beschwerden, mit denen ich zu kämpfen hatte, müssen nicht zwangsläufig auch dich betreffen, was dich zu keiner/keinem besseren oder schlechteren Essgestörten macht. Meine Intention hinter diesem Artikel kennst du bereits. Diese lautet "aufklären". Keep that in mind, wenn du weiterliest ♥

 

Ich würde meinen Heilungsweg gerne in zwei Abschnitte unterteilen, um auf die Frage einzugehen. Während ich stark untergewichtig war und den Entschluss zu heilen, noch nicht gefasst hatte, haben mich nämlich andere Dinge beschäftigt als zu der Zeit, in der ich auf einem guten Weg war und stetig zugenommen habe.

 

Zur schlimmsten Zeit meiner Essstörung hatte ich neben Haarausfall, brüchigen Nägeln und einer trockenen Haut, was für mich einigermaßen zu verkraften war, starke Herz-Rhythmus-Störungen und einen extrem verlangsamten Herzschlag. In der Klinik musste ich deshalb ein Langzeit-EKG tragen, im Rollstuhl sitzen und durfte mich kaum bewegen. Durch fehlendes Östrogen, das lokal an der Harnröhre und den Geschlechtsteilen wirkt, sowie fehlende Muskulatur im Beckenboden war ich zudem inkontinent. Sprich, ich konnte meine Blase nicht mehr kontrollieren. Natürlich ist es mir super unangenehm, darüber zu sprechen. Was ich zeigen möchte, ist aber, dass Essstörungen alles andere als glamourös sind und du es nicht so weit kommen lassen musst, bevor du dir Hilfe holst.

 

Die Beckenbodenmuskulatur fehlt mir zum Teil bis heute, sodass ich immer noch andauernd auf die Toilette muss. Außerdem haben mich der Periodenverlust und Verdauungsbeschwerden noch lange nach dem Entschluss, gesund werden zu wollen, geplagt. Ich hatte und habe zum Teil immer noch mit einem aufgeblähten Bauch, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung zu kämpfen. In einem früheren Beitrag erkläre ich dir, wieso es während und nach einer Essstörung sowie auf dem Heilungsweg häufig zu Verdauungsbeschwerden kommen kann und was mir geholfen hat, die Schmerzen zu lindern. Die meisten Beschwerden lassen sich erklären und lassen nach, wenn man wieder regelmäßig sowie ausreichend isst und keine Nährstoffe mehr streicht. Wir unterschätzen die Selbstheilungskräfte unseres Körpers so oft. Deswegen kann ich dir nur Mut zusprechen. Heute habe ich keinen Haarausfall mehr, meine Nägel sind stark, meine Haut gut und auch mein Herzschlag hat sich wieder normalisiert.

Abgesehen davon gibt es zahlreiche weitere Folgen und Begleiterscheinungen, die während oder nach einer Essstörung auftreten können. Sehr gerne möchte ich die Frage umfassend beantworten und daher einige dieser Folgen und Begleiterscheinungen nennen.

 

Es geht nicht darum, dir Angst zu machen, sondern darum aufzuklären. Viel zu oft verschließen wir unsere Augen vor dem Offensichtlichen und wollen nicht wahrhaben, was wir uns und unserem Körper mit der Erkrankung antun. Und ich wiederhole noch einmal das, was ich bereits eingangs gesagt habe: Ich weiß, dass man das eigene Verhalten in dem Wissen um die Folgen der Essstörung nicht von heute auf morgen verändern kann. Dein Körper ist aber nicht das eigentliche Problem. Wenn du dir Hilfe holst und herausfindest, was wirklich hinter deiner Essstörung steckt, kannst du aufhören, ihn als Kompensationsstrategie zu nutzen und ihm Schaden zuzufügen.

 

Essstörungen können Auswirkungen auf das Gehirn haben. Kurzfristig kommt es oft zu Konzentrationsstörungen, nach länger andauernder Erkrankung sogar zu einem Abbau von Nervenzellen und Rückgang der Gehirnmasse.

 

Außerdem können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden, da dem Körper Elektrolyte und wichtige Nährstoffe fehlen.

 

Vitamin- und Nährstoffmangel führen aber auch zu Haarausfall, brüchigen Nägeln, trockener Haut und einer schlechteren Durchblutung (was der Grund ist, aus dem Betroffene permanent frieren).

 

Wenn es im Rahmen der Essstörung zu regelmäßigem Erbrechen kommt, können auch die Zähne und die Speiseröhre geschädigt werden, weil die Magensäure Zahnschmelz und Speiseröhre angreift. Es kann zu Entzündungen und zum Verlust von Zähnen kommen.

 

Mit der Essstörung gehen oft auch Depressionen, soziale Isolation und Schlafstörungen einher, welche längerfristig fortbestehen können.

 

Zu guter Letzt darf man nicht vergessen, dass Essstörungen auch tödlich enden können. Laut Statista sind 2019 65 Menschen an ihrer Essstörung gestorben. Das mag sich zunächst nach gar nicht so viel anhören. Meiner Meinung nach sind das aber 65 Menschen zu viel, zumal die Dunkelziffer häufig viel höher ist.

2.) Was ist Osteoporose überhaupt?

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung der Knochen, bei der das Verhältnis von Knochenaufbau und Knochenabbau gestört ist, wodurch die Knochenmasse abnimmt. Man könnte sie auch als Knochenschwund bezeichnen, was erst einmal dramatischer klingt, als es ist. Fakt ist nämlich, dass es sich bei unseren Knochen um dynamisches Gewebe handelt, in dem kontinuierlich Auf- und Abbauvorgänge stattfinden. Um das 30. Lebensjahr erreichen Knochenmasse und Knochenfestigkeit ihr Maximum. Danach nimmt die Knochenmasse auch bei Menschen, die keine Essstörung haben und vollkommen gesund sind, stetig ab.

 

Stell dir eine Brücke vor, die von Stützpfeilern aus Beton und Stahl getragen wird. Es ist vollkommen normal, dass der Beton mit der Zeit bröckelt und das Stahl rostet. Irgendwann sind die Pfeiler so geschädigt, dass sie das Gewicht der Brücke nicht mehr sicher tragen können. Ähnlich wie diese Stützpfeiler verlieren auch unsere Knochen mit fortschreitendem Alter an Substanz. Sie werden fragiler und das Risiko, an Osteoporose zu erkranken und dadurch schon bei geringster Belastung oder leichten Stürzen Knochenbrüche zu erleiden, steigt.

 

Auch wenn überwiegend ältere Menschen von Osteoporose betroffen sind, können Rauchen, Medikamenteneinnahme, aber auch Essstörungen und Untergewicht das Risiko an Osteoporose zu erkranken, erhöhen.

3.) Wieso ist das Risiko bei Essstörungen und Amenorrhoe an Osteoporose zu erkranken so hoch?

Wir kommen als Babys zur Welt und wachsen ungefähr bis zum 18. Lebensjahr. Weil die Essstörung bei vielen Betroffenen in der Pubertät beginnt, erreichen Patent*innen mit Essstörungen eine weniger hohe maximale KnochendichteUntersuchungen haben gezeigt, dass Essstörungen nicht nur die Entwicklung der Knochen bremsen, sondern sogar eine Rückbildung des Knochengewebes fördern. 

 

Neben multifaktoriellen Gründen sind vor allen Dingen das Untergewicht und hormonelle Veränderungen ausschlaggebend für die verminderte Knochendichte und -stabilität. Während die Sexualhormone Östrogen und Testosteron bei gesunden Menschen die knochenabbauenden Osteoklasten bremsen, leiden Betroffene von Essstörungen oftmals an Periodenverlust. Die Östrogen- und Testosteronwerte sind folglich verschoben und die Knochen werden weniger geschützt.

 

Darüber hinaus kommt es infolge der Essstörung zur Verminderung von knochenprotektiven (=knochenschützenden) Hormonen wie Leptin, Insulin oder Oxytocin, wohingegen knochenschädigende Hormone wie das Stresshormon Cortisol verstärkt ausgeschüttet werden. Durch die Unterernährung fehlen dem Körper zudem wichtige Nährstoffe wie Calcium, Proteine oder Vitamin-D. Letzteres ist besonders wichtig für den Knochenbau. Abführmittel, Erbrechen und bestimmte Antidepressiva können diesen Effekt verstärken.

4.) Wo kann man eine Knochendichtemessung machen lassen und muss man für die Kosten selbst aufkommen?

Man benötigt eine Überweisung vom Hausarzt zum Orthopäden oder Radiologen. Das Verfahren (DXA-Messung) wird leider nur in Ausnahmefällen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, was bedeutet, dass man selbst für die Kosten aufkommen muss. Diese belaufen sich auf 30 bis 40 € liegen, wobei für die Auswertung und Beratung vom Orthopäden bzw. Radiologen Zuschläge dazukommen können. Ich habe letzten Endes 90,- € bezahlt, was natürlich viel Geld ist, weshalb ich auch erstmal schlucken musste. Weil ich lange Zeit aber überhaupt nicht in meine Gesundheit investiert habe, war es mir das im Endeffekt wert.

5.) Wie läuft die Knochendichtemessung ab?

Das gängigste Verfahren ist die DXA-Messung. Dabei handelt es sich um eine Röntgentechnik, die den Mineralgehalt des Knochens bei niedriger Strahlenbelastung feststellt.

 

Bei der DXA-Messung liegen die Patient*innen auf einer Liege, die Beine sind durch ein Würfelkissen erhöht. Das Gerät wird auf Gewicht, Größe und Alter der zu behandelnden Person eingestellt. Mittels der Röntgenstrahlung und einem Bügel werden die Messungen dann zuerst an der Lendenwirbelsäule, anschließend an der Hüfte durchgeführt und auf einen Bildschirm übertragen.

 

Das Ergebnis wird als T-Score angegeben und zeigt, wie stark die gemessene Knochendichte von der Knochendichte junger gesunder Erwachsener abweicht. Je niedriger der T-Wert, umso höher ist das Knochenbruchrisiko. Von einer Vorstufe zur Osteoporose (Osteopenie) spricht man, wenn der T-Wert zwischen -1,0 und -2,5 liegt. Wenn er unter -2,5 liegt, handelt es sich definitionsgemäß um eine Osteoporose. 

6.) Was sind Anzeichen für Osteoporose? Und welche Auswirkungen hat sie?

Die Osteoporose bleibt oftmals unentdeckt, weil Beschwerden ausbleiben. Ich hatte Ende 2020 einen Ermüdungsbruch im Knöchel, den ich zum damaligen Zeitpunkt aber nicht mit Osteoporose in Verbindung gebracht habe. Hätte meine Frauenärztin nicht auf die Knochendichtemessung beharrt, hätte ich wahrscheinlich gar nicht darüber nachgedacht, sie durchführen zu lassen. Gerade weil Beschwerden häufig ausbleiben, würde ich Betroffenen oder ehemals Betroffenen von Essstörungen aus heutiger Sicht eine Knochendichtemessung ans Herz legen. Wie sagt man so schön: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

 

Kommen wir zu den Auswirkungen: Je nach Grad und Schwere der Osteoporose kann es schon bei leichten Belastungen zu Knochenbrüchen kommen. Durch den Knochenschwund werden außerdem Wirbelkörper porös, wodurch sich die Wirbelsäule verformt. Die Körpergröße nimmt ab und es kommt zum Rundrücken, was Mitschuld an Rückenschmerzen sein kann. Das wiederum führt zu starken Bewegungseinschränkungen, wodurch sich ein Teufelskreis auftut: Man ist antriebslos und bewegt sich weniger, was zu weiterem Verlust der Knochendichte und neuen Knochenbrüchen führen kann. 

7.) Was wurde dir im Umgang mit der Osteoporose geraten?

Um diese Frage zu beantworten, würde ich gerne zunächst darauf eingehen, was mir persönlich und was generell im Umgang mit Osteoporose geraten wird.

 

Neben einer regelmäßigen Kontrolluntersuchung (alle1,5 – 2 Jahre) wurde mir eine ausreichende Calcium- sowie Vitamin D-Aufnahme empfohlen. Calcium ist ein wichtiger Knochenbaustoff. Steht dem Körper nicht genügend Calcium zur Verfügung, sinkt die Calciumkonzentration im Blut. Der Körper versucht den Mangel auszugleichen, indem der Mineralstoff aus dem Knochenspeicher freigesetzt wird. Für den Einbau von Calcium im Knochen ist das Sonnenvitamin Vitamin D verantwortlich. Die meisten Menschen in Mitteleuropa haben aufgrund der geringen Sonnenscheindauer hierzulande einen Vitamin-D-Mangel, sodass eine Substitution dringend anzuraten ist.

Außerdem wurde mir ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und einer optimalen Vitalstoffversorgung ans Herz gelegt. Da ich mich ausreichend und ausgewogen ernähre sowie inzwischen auch einen guten Umgang mit Sport und Bewegung habe, sehe ich hier aber nicht wirklich Handlungsbedarf.

 

Ergänzen würde ich gerne, dass Studien gezeigt haben, dass eine Erhöhung des BMI bei Osteoporosepatient*innen mit Essstörungen einen stärkeren Einfluss auf die Knochendichte hat als die Therapie mit Medikamenten. Es ist also essenziell, das Körpergewicht zu normalisieren. Und damit meine ich nicht nur vom Unter- ins Normalgewicht zu kommen, sondern das biologische Idealgewicht (viele sprechen vom Set-Point) zu erreichen. Viele Betroffene klammern sich an eine im Gewichtsvertrag festgelegte Zahl oder einen BMI von 18,5 und trauen sich nicht, darüber hinaus zuzunehmen. Sträubt man sich gegen eine weitere Zunahme, bleiben Einschränkungen wie ein ausbleibender Zyklus häufig vorhanden. Es ist wichtig, den Körper nach Jahren mit Essstörungen seinen Job machen zu lassen und ihm ggf. auch das ein oder andere Kilo mehr zuzugestehen - auch wenn das bedeutet, über einen BMI von 18,5 hinauszugehen. Ist das biologische Idealgewicht erreicht, stellt sich über kurz oder lang auch der weibliche Zyklus wieder ein, was, wie wir bereits gelernt haben, äußerst wichtig für die Knochengesundheit ist.

8.) Krafttraining soll einen positiven Einfluss haben. Das bringt mich in einen Konflikt, immerhin bin ich eigentlich in der Sportpause.

Es stimmt, dass gesunde Knochen regelmäßige Belastung und Bewegung brauchen. Denn immer dann, wenn Muskeln Zug auf die Knochen ausüben, kommen die Osteoklasten in Bewegung und produzieren Knochensubstanz. Allerdings verstehe ich den Zwiespalt und Konflikt zwischen Sportpause und ausreichender Bewegung, um deine Knochen vor Osteoporose zu schützen

 

Meine Empfehlung ist, dich von deinem Orthopäden, Radiologen oder betreuenden Facharzt beraten zu lassen, ob und wenn ja, welche Form der Bewegung aktuell für dich infrage kommt. Wie bereits in der vorherigen Antwort beschrieben, ist der effektivste Weg, deine Knochen nach der Essstörung vor Osteoporose zu schützen, dein Körpergewicht zu normalisieren. Zuzunehmen hat dementsprechend einen weitaus größeren Effekt als Bewegung und sollte daher prorisiert werden. Solltest du dich noch im Untergewicht oder fernab deines biologischen Idealgewichts befinden, wäre mein Rat, hier anzusetzen, bevor du voreilig deine Sportpause beendest. 

9.) Ist das Risiko, an Osteoporose zu erkranken höher, je länger man eine Essstörung hat?

Natürlich ist das Risiko für Langzeitfolgen und -schäden höher, je länger man eine Essstörung hat. Es gibt allerdings keine Faustformel, geschweige denn eine pauschale Antwort, da immer auch andere Faktoren wie die Genetik oder Vorerkrankungen mit reinspielen.

 

Grundsätzlich ist es besser, sich frühzeitig Hilfe zu holen, als abzuwarten, bis man sich „krank genug“ fühlt oder bereits erste Folgen spürt, die im schlimmsten Fall irreversibel sind.

 

Wer über viele Jahre hinweg von einer Essstörung betroffen ist, kommt oftmals an den Punkt, an dem man sich damit abfindet und die Hoffnung an ein glückliches und gesundes Leben aufgibt. Bitte verliere das Vertrauen in dich, deinen Weg und deinen Körper nicht! Ich habe über zehn Jahre an der Essstörung gelitten, bis ich erste aufrichtige Schritte in Richtung Genesung gehen konnte. Was ich geschafft habe, kannst du auch schaffen.

10.) Ist die Osteoporose reversibel?

Die Diagnose stellt kein unabänderliches Schicksal dar. Durch bestimmte Maßnahmen wie eine Gewichtszunahme bei Untergewicht, eine optimale Vitalstoffversorgung mit Nahrungsergänzungsmitteln und moderate Bewegung kann Osteoporose mit sehr guten Ergebnissen therapiert werden.

 

Die Hauptverantwortung liegt meiner Meinung nach bei den Betroffenen selbst. Damit meine ich, dass man die Wahl hat, ob man den Kopf nach einer solchen Diagnose in den Sand steckt, eine „Jetzt-ist-eh-alles-egal“-Haltung einnimmt und sich vollends der Essstörung hingibt oder ob man die Diagnose als Weckruf sieht, sich der eigenen Heilung zu widmen und von da an mit dem Körper zu arbeiten statt gegen ihn.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag verdeutlicht zu haben, dass Essstörungen ernst zu nehmende Krankheiten sind, die behandelt gehören. Es ist leichter, die Entscheidung für Heilung zu treffen als für Heilung loszugehen und sich von diesem Weg nicht abbringen zu lassen. Falls du nach diesem Blogartikel fest entschlossen bist, deine Essstörung loszulassen, aber nicht weißt, wo und wie du anfangen sollst, kannst du gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Ich würde mich freuen, dich in einem kostenlosen Erstgespräch kennenzulernen und dich dann auf deinem Weg begleiten zu dürfen.

 

Alles Liebe,

deine Saskia

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Kommentare: 3
  • #1

    Jamin (Dienstag, 08 Februar 2022 15:37)

    Danke für diesen tollen und wichtigen Beitrag. Hast du deine Blasenschwäche in den Griff bekommen, wenn ja wie?
    Ich habe leider das gleich Problem und vor allen nachts ist es eine Qual und stört den Schlaf.

    Ganz liebe Grüße

  • #2

    Susanne (Dienstag, 08 Februar 2022 21:22)

    Wieso VMI 18,5? Je nach Alter solte er ja deutlich höher sein.
    Mit Ärtzen und Beratung ist es so eine Sache:
    Ich habe schon oft die verrücktesten Sportempfehlungen bekommen trotz Untergewicht. Da wird nur das Fachgebiet sondiert, während die Psychologin gänzlixh zu null Sport riet. Auch aus körperlichen Gründen/Schwäche.
    Da haben Mediziner oft wenig Einfühlungsvermögen/Ahnung :-(

    LG an Dich !!!

  • #3

    Saskia Rauthe (Mittwoch, 09 Februar 2022 07:15)

    @Susanne: Vielen Dank für deinen Kommentar - leider hast du nicht richtig gelesen. Ich habe geschrieben, dass es NICHT darum geht, zuzunehmen, bis man einen BMI von 18,5 erreicht, sondern zuzunehmen, bis das biologische Idealgewicht des Körpers erreicht ist :) Der BMI ist nicht wirklich aussagekräftig.