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#08 Teil 2: Tipps gegen Bauchschmerzen auf dem Heilungsweg

Nachdem es im ersten Teil darum ging die möglichen Ursachen für die Bauchschmerzen auf dem Weg aus der Essstörung zu klären, möchte ich dir in diesem Teil einige Tipps und Ratschläge an die Hand geben, die mir persönlich geholfen haben meine Schmerzen zu lindern.

 

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass es dabei um meine Erfahrungen geht. Ich stelle dir Dinge vor, die mir geholfen haben. Genauso wie jede Essstörung individuell ist, gestalten sich auch unsere Heilungswege unterschiedlich. Versuche also herauszufinden, was das Beste für dich ist.

1.) Wärme:

Ein Gamechanger für mich war definitiv das Körnerkissen!

Als es bei meinem ersten Klinikaufenthalt darum ging, mindestens drei Mahlzeiten in den Tag zu integrieren, war das aufgrund der quälenden Bauchschmerzen zu Beginn kaum möglich. Den anderen Mädchen auf meiner Station ging es genauso. Wir haben dann eines mit einer unserer Betreuerinnen Körnerkissen selbst genäht, ohne die wir von da an eigentlich nicht mehr anzutreffen waren ;) Wir haben unsere eigene, kleine Körnerkissen-Gang gebildet ;)

Es ist ganz egal, ob das Körnerkissen mit Kirsch-, Dinkel- oder Traubenkernen gefüllt ist. Genauso gut kannst du eine Wärmflasche verwenden.

Worum es im Wesentlichen geht ist, dass durch die Wärme deine Muskelspannung sinkt und sich deine Muskeln entkrampfen können. Ein toller Nebeneffekt ist, dass dich deine Wärmflasche bzw. dein Körnerkissen wärmt, wenn du durch die Essstörung andauernd frierst.

2.) Fenchel-Anis-Kümmel-Tee:

Kümmel kennen die meisten als Gewürz aus der Küche. Die einen lieben es, den anderen sträuben sich beim bloßen Gedanken an Kümmel die Haare. Kümmel gilt aber als das älteste Heilmittel der Welt und wirkt besonders effektiv bei Magen-Darm-Beschwerden. Die ätherischen Öle, die im Kümmel enthalten sind, regen die Verdauung an und regulieren die Darmflora. In Kombination mit Anis, der in erster Linie krampflösend wirkt, und Fenchel, der für seine wohltuende, entkrampfende Wirkung geschätzt wird, wirkt Kümmel bei Bauchschmerzen noch besser. Wenn du, genau wie ich, eigentlich kein Kümmel-Fan bist, versichere ich dir, dass du dich schon nach kurzer Zeit an den Geschmack gewöhnst.

3.) Wohltuende Bauchmassage:

Eine Bauchmassage verbessert die Durchblutung im Bauchraum, was nicht nur einen wärmenden, sondern auch einen entspannenden und entkrampfenden Effekt hat. Für die Bauchmassage benötigst du nichts weiter als ein wenig Olivenöl, das du optional mit einem Teelöffel reinem Kümmel-Öl anreichern kannst.

 

Verreibe das Öl in deinen Händen und lege dann eine Hand mittig auf deinen Bauch. Sanft und in kleinen Kreisen streichst du mit der Hand nun im Uhrzeigersinn um deinen Nabel. Wichtig ist, dass du die Hand wirklich im und nicht gegen den Uhrzeigersinn bewegst. Lass die Bewegung spiralförmig größer werden, bevor sie anschließend wieder kleiner werdend zum Bauchnabel zurückkehrt. Nach 5-10 Minuten kannst du abschließend noch ein paar kleine Kreise unterhalb deines Bauchnabels zeichnen. Versuche während der Bauchmassage wirklich ins Fühlen und Entspannen zu kommen, deinen Kopf für diesen Moment auszuschalten und die Berührung zu genießen.

4.) Yoga gegen Bauchschmerzen

Wenn du nicht gerade unterwegs bist, kann es helfen, dir 20 Minuten Zeit zu nehmen und dich sanft zu bewegen. Es gibt zahlreiche Yoga-Sequenzen auf YouTube (Gib beispielsweise einfach mal „Yoga gegen Bauchschmerzen“ ein), die dir helfen deine Mitte und zu entkrampfen und entspannen.

Ich habe herausgefunden, dass insbesondere Apanasana und Balasana sehr wohltuend sind.


Bild: https://www.online-trainer-lizenz.de/lexikon/a?w=apanasana

Bei Apanasana legst du dich auf den Rücken und atmest tief in den Bauch ein und aus.

Mit der Einatmung führst du ein Bein gebeugt dich zum Körper heran, umfasst dabei den Oberschenkel mit den Händen. Mit der Ausatmung streckst du das Bein wieder und legst es am Boden ab.

Wiederhole diesen Vorgang mit dem anderen Bein.

Bild: https://www.yogaeasy.de/artikel/5-gruende-warum-wir-balasana-lieben

Balasana ist die Haltung des Kindes. 

Achtung: Balasana wirkt eigentlich, um die Muskeln im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich zu entspannen.

Da Balasana aber eine sehr beruhigende Haltung ist, bei der der Körper entspannt und regeneriert, finde ich diese Asana, obwohl sie ein wenig Druck auf den Bauch ausübt, auch für den Bauchraum sehr entspannend.

Für Balasana setze dich mit geschlossenen Knien und Füßen in den Fersensitz. Beuge dich mit der Ausatmung nach vorn und lege deine Stirn auf dem Boden vor deinen Knien ab. Sollte das unangenehm sein, kannst du deinen Kopf auch auf ein Kissen legen. Deine Arme befinden sich neben deinem Körper, die Handflächen zeigen nach oben.

Atme tief ein und aus und bleibe für mindestens 30 Sekunden in der Haltung.


5.) Lebensmittel mit natürlichen Probiotika

In Teil 1 habe ich bereits beschrieben, wie sich das Gleichgewicht von erwünschten und unerwünschten Bakterien im Darm verschieben kann. Sogenannte Probiotika haben einen positiven Einfluss auf dieses Gleichgewicht, weil sie die erwünschten Bakterien erhöhen, wodurch die unerwünschten weniger Chancen haben, sich dort breit zu machen. Demnach kann es helfen, natürliche Probiotika in die Ernährung zu integrieren. Natürliche Probiotika kommen zum Beispiel in Joghurt, Buttermilch, aber auch in Kefir, Sauerkraut und Roter Bete vor.

 

Es gibt einige Nahrungsergänzungsmittel, die den gleichen Effekt haben. Achte hier aber immer auf höchste Qualität und entscheide dich nicht für das erstbeste und günstigste Mittel im Drogerieladen.

Ich persönlich nutze dieses hier: Probiona*.

 

Wenn wir schon beim Thema Ernährung sind, empfehle ich dir außerdem Lebensmittel mit Süßungsmitteln in übermäßigen Mengen zu vermeiden. Während meiner Essstörung habe ich, um den Hunger zu unterdrücken, Unmengen an Kaugummi gekaut oder Light-Getränke getrunken und mich dann über Bauchschmerzen gewundert. Es lohnt sich nur mal einen Blick auf die Verpackung zu werfen, wo meistens schon ein Warnhinweis aufgedruckt ist.

6.) Ablenkung

Eine Zeit lang bin ich morgens bereits mit der Angst vor erneuten Bauchschmerzen aufgewacht. Ich habe nach jedem Bissen, den ich zu mir genommen habe, nur gewartet, dass die Schmerzen eintreten. Rückblickend weiß ich, dass die Tatsache, mich so sehr darauf zu fokussieren, das Ganze eher schlimmer, als besser gemacht hat. Lenk dich ab und lass deinen Körper seine Arbeit machen.

Nutze gerne diesen Notfallplan, der zahlreiche alternative Beschäftigungsmöglichkeiten enthält, durch die du deinen Fokus von der Essstörung auf etwas anderes lenken kannst.

 

Die physische Heilung lässt sich nicht beschleunigen. Nutz die Zeit also sinnvoll. Anstatt dich darüber zu ärgern, dass du Bauchschmerzen hast, kümmere dich lieber um deine psychische Heilung kümmerst. Du kannst dir zum Beispiel Bücher, Filme oder Videos zu den Themen Selbstliebe, Body Positivity und persönlicher Weiterentwicklung anschauen.

7.) Wohlfühlklamotten

Dieser Punkt gilt nicht nur, aber insbesondere, wenn du Bauchschmerzen hast: Zieh gemütliche Kleidung an, in der du dich wohlfühlst. Kleidung, die dich einengt und dir dadurch ein ungutes Gefühl gibt, gehört nicht in deinen Kleiderschrank. Befrei dich davon! Es ist völlig okay Leggins oder Jogginghosen, statt unbequemen Jeans zu tragen. Du musst nicht in deine Kleidung passen, deine Kleidung muss DIR passen.

8.) Sei geduldig!

Wie in Teil 1, möchte ich dir auch hier noch einmal ans Herz legen, Geduld mit dir und deinem Körper zu haben. Ich weiß, es tut weh und es ist unangenehm, aber es wird nur besser, wenn du dran bleibst. Bedenke, dass die Bauchschmerzen ein Zeichen dafür sind, dass dein Körper arbeitet, und zwar nicht gegen dich, sondern für dich! Dein Körper ist ein Wunder. Denn obwohl du ihm so lange Zeit geschadet hast, sichert er nach wie vor dein Überleben. Er weiß, was er zu tun hat. Er weiß, wie er sich heilen kann und wie er dafür sorgt, dass bald alles wieder seinen geregelten Gang geht.

 

Also: Genau wie dein Körper gerade lernt dir wieder zu vertrauen, hab auch du Vertrauen in ihn und glaube mir, wenn ich dir sage: es wird besser!

Heilung braucht Zeit!

Alles Liebe,

deine Saskia

 

 

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