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#20 Mit Triggern umgehen auf dem Heilungsweg

Auf dem Weg aus der Essstörung kommen wir immer wieder in Situationen, die triggern. Ich erinnere mich noch sehr gut an die erste Zeit meiner Recovery, in der ich mich durch alles und jeden getriggert fühlte. Egal ob es meine Großeltern waren, die mir sagten, dass ich endlich wieder besser aussehe, eine Arbeitskollegin, die mittags nur einen grünen Salat mit Hähnchenstreifen aß oder meine Mutter, die 3-Mal die Woche ins Fitnessstudio ging – ich hatte das Gefühl, dass die ganze Welt gegen mich war und mir meinen Heilungsweg noch schwerer machen wollte, als er ohnehin schon war. 

Trigger einfach meiden?

Lange habe ich versucht Trigger jeder Form zu meiden. Gerade zu Beginn deiner Recovery, wenn du noch sehr labil bist, ist das aus meiner Sicht tatsächlich die beste Lösung. Langfristig gesehen solltest du aber eher lernen, mit Triggern umzugehen, als sie zu meiden. Denn Trigger begegnen uns, wie du schon anhand meiner Beispiele in der Einleitung gesehen hast, überall.

Wenn es darum geht Trigger zu meiden, empfehle ich dir dich in erster Linie auf den sozialen Netzwerken an ein konkretes Zeitlimit zu halten.

Das Problem an Social Media ist, dass du dort kleine Ausschnitte aus dem Leben anderer Menschen siehst und dass sich die meisten Menschen dort ausschließlich von ihrer besten Seite zeigen. Zahlreiche Studien belegen, dass das in Vielen das Gefühl auslöst selbst weniger wert, nicht schön oder erfolgreich genug zu sein. Mal abgesehen davon, dass man nie weiß, was in dem Menschen, der hinter einem Profil steckt, wirklich vorgeht und vor welchen Herausforderungen er in seinem Leben gerade wirklich steht, rate ich dir dich besonders auf dem Weg aus der Essstörung mit dir und Dingen, die dir persönlich guttun, zu beschäftigen.

Wenn du gerade noch nicht weißt, was dir gut tut, ist das nicht schlimm. Es wäre doch die perfekte Gelegenheit das Handy wegzulegen, den Laptop zuzuklappen und genau das herauszufinden, oder nicht?

Lernen, mit Triggern umzugehen

Sieh dich als Forscher auf deinem Heilungsweg!

Wenn du dich auf deinem Heilungsweg gefestigt fühlst, kannst du, wie gesagt, anfangen mit Triggern umzugehen statt sie zu meiden. Hierzu möchte ich dir gleich sagen, dass Trigger nichts per se Schlechtes sind! In jedem Trigger liegt auch eine Chance: Der Trigger zeigt dir, was es noch zu heilen gibt und wo du noch an dir arbeiten darfst. Verurteile dich also nicht für deine Gefühle. Anstatt in ein negatives Selbstgespräch („Ich Vollidiot. War ja klar, dass mich das wieder so dermaßen runterzieht.“) einzusteigen, sieh dich selbst als Forscher auf deinem Heilungsweg („Ist ja interessant, dass mich das noch so berührt. Wie kann ich das für mich auflösen?“).

Wahrnehmen und Umschalten

Auflösen kannst du einen Trigger, indem du ihn in erster Linie wahrnimmst. Beobachte dich eine Zeit lang und liste dann schriftlich Situationen auf, in denen du dich getriggert gefühlt hast. Im nächsten Schritt fragst du dich, welchen Gedanken und welches Gefühl die Situationen in dir ausgelöst haben.

 

Als Beispiel: Du fühlst dich durch deine Freundin, die derzeit auf Zucker verzichtet getriggert. Ihr Verhalten löst in dir folgenden essgestörten Gedanken aus: „Zucker ist schlecht. Auch ich sollte besser auf Zucker verzichten. Wenn ich Schokolade esse, werde ich fett.“.

 

Anschließend überlegst du dir, was dein „gesundes Ich“ dir in den jeweiligen Situationen raten würde.

Auf das Beispiel von gerade eben bezogen könnte dein gesunder Gedanke lauten: „Ich erlaube mir genau die Dinge zu essen, die mir schmecken. Das was mir schmeckt, tut meinem Körper gut.“

 

Indem du dein „essgestörtes Ich“ und dein „gesundes Ich“ bewusst voneinander trennst und dir bereits im Vorfeld Gedanken zurechtlegst, auf die du in einer triggernden Situation zurückgreifen kannst, schaffst du es mit der Zeit immer schneller in dein „gesundes Ich“ umzuschalten. Irgendwann wirst du feststellen, dass der essgestörte Gedanke gar nicht mehr auftaucht.

Was tun bei unangemessenen Kommentaren?

Gerade in Bezug auf das Thema Ernährung kursieren (leider) immer noch viele Irrglauben, die so manch einer aufschnappt, nie hinterfragt und sie dann gefühlt jedem auf die Nase bindet.

Als ich vor längerer Zeit im Büro eine Banane gegessen habe, sagte mir ein Arbeitskollege, „dass ich jetzt auch gleich ein Snickers hätte essen können, weil Bananen so viele Kalorien haben.“.

Auch als ich mit Minnie Maud angefangen habe, bekam ich aus meinem Umfeld oft zu hören, dass „3.000 Kalorien viel zu viel für eine Frau sind“ oder, dass sie selbst niemals so viel essen könnten.

Vielleicht bist du schon in ähnliche Situationen gekommen und weißt deshalb, wie sehr solche Kommentare auf dem Heilungsweg verunsichern können.

 

In solchen Momenten helfen mir nach wie vor folgende Sätze: „Mein Körper und mein Heilungsweg sind vollkommen in Ordnung. Ich bin in Ordnung. Dieser Kommentar hingegen ist es nicht.“.

 

Du kannst das laut aussprechen oder für einen Moment die Augen schließen und die Sätze in Stille zu dir selbst sagen.

Nicht jeder, der eine Diät macht, hat eine Essstörung!

Du darfst nie vergessen, dass es auf deinem Heilungsweg um DICH und DEINE Gesundheit geht. Du kannst nicht von dir auf alle anderen schließen. Nicht Jeder, der ausschließlich Salat zum Mittag isst, nicht Jeder, der mehrmals die Woche ins Fitnessstudio geht oder mal eine Diät macht, hat automatisch eine Essstörung. Deswegen lautet mein wichtigster Rat an dich: Lass‘ dich durch Trigger nicht von deinem Weg abbringen. Konzentriere dich auf DICH!

 

Um bei mir zu bleiben und mich nicht von dem, was andere Menschen tun und nicht tun oder von dem, was um mich herum passiert und nicht passiert, ablenken zu lassen, hilft es mir, meinen Blick regelmäßig nach innen zu richten. Ich empfehle dir auch öfter mal deine Augen zu schließen und in dich hinein zu spüren. Frage dich täglich, wie es dir geht und was du dir Gutes tun kannst. Begegne dir selbst mit Liebe und Mitgefühl. Auch Yoga, Meditation oder Atemübungen sind eine gute Möglichkeit, um in Kontakt mit dir zu kommen.  

Du bist gut, so wie du bist!

Umgib dich darüber hinaus mit Menschen, die dich wachsen sehen wollen. Denn genauso wie es Menschen gibt, die dir ungefragt ihre Meinung auf die Nase binden und dich triggern, gibt es mindestens genauso viele Menschen, denen etwas daran liegt, dass es dir gut geht und die dich inspirieren. Wer gibt dir das Gefühl, dass du vollkommen okay bist, so wie du bist, unabhängig davon, wo auf deinem Heilungsweg du gerade stehst? Verbringe mehr Zeit mit diesem Menschen und geh deinen Weg aus der Essstörung mit ihm gemeinsam. Und wenn es tatsächlich so ist, dass dir im Moment niemand einfällt, dann ist es umso besser, dass du jetzt gerade hier bist und meine Zeilen liest.

Denn dann sage ich dir: Du bist gut - so wie du bist und wir schaffen es zusammen.

Alles Liebe,

deine Saskia 


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